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Für jemanden wie mich, der erst seit kurzem im pazifischen Nordwesten lebt, war das Oktoberfest in Puyallup eine echte Überraschung. Die Stimmung war so merkwürdig, so anders, ja, sie war irgendwie: deutsch!
Das wurde mir erst klar, als Allan, unser iranischer Freund vom Seattle Stammtisch, der in der Pfalz aufwuchs, zu mir sagte: „Naa, und, jetzt fühlst du dich wie zu Hause, richtig?“ Und ich dann widerwillig zugeben musste: „Ja, so ähnlich“. Widerwillig deshalb, weil ich als Wahlberlinerin natürlich nicht komplett auf die bayerische Art zu feiern einsteigen kann und will. Aber von diesen Feinheiten abgesehen, war alles da: deutsches Essen, Bier, laute volkstümliche Musik, Platz zum Sitzen, Raum zum Tanzen, und viele Menschen in Feierlaune. Da fiel es nicht so ins Gewicht, dass ich wahrlich schon bessere Schnitzel gegessen habe (sogar in Berlin!) und dass das System mit dem dreifachen Schlangestehen, einmal für die Coupons, einmal für Speisen, einmal für Getränke, umständlich und ein bisschen ärgerlich war. Wenn es eine bessere Busverbindung nach Seattle gegeben hätte, hätte ich wahrscheinlich richtig einen draufgemacht. Stattdessen hielt ich mich, rücksichtsvoll, auf dem gleichen Alkoholpegel wie mein autofahrender amerikanischer Ehemann. Aber auch so schwang ich auf einer Wolke von guter Laune und Nostalgie, quatschte jeden auf Deutsch an, und war überrascht, als irgendwann eine Antwort auf Englisch kam. Da fiel mir wieder ein, dass ich in den Puyallup Fairgrounds war, nicht in einem bayerischen Bierzelt. Ich will nächstes Jahr wieder kommen, und dann treffe ich ja vielleicht noch ein paar mehr Leute vom Stammtisch und vom Deutschen Kulturkreis.
Hildegard Nichols
(Text und Fotos)
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