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Adrian Hanauer
Adrian Hanauer - Formt er einen
Verein nach seiner Vorstellung?
Foto: Joe Armand

‘Ich werde was immer nötig ist unternehmen, um das Team zum Sieg zu führen.’

Adrian Hanauer spricht mit Prost Amerika.

Am 11. November 2007 gab der Erstligafußballverband (MLS) bekannt, dass sich das nächste wachsende Franchise in Seattle befinden würde. Für viele wurde eine Traum wahr, aber für keinen mehr als für Adrian Hanauer, den Geschäftsführer von Seattles Mannschaft, die zu jener Zeit in der United Soccer League ihr Tagewerk erfüllte. Hanauer hatte ein Eigentümerkonsortium an einen Tisch gebracht, das sich aus Hollywoodproduzent Joe Roth, ihm selbst, Vulcan Sports and Entertainment (den Eigentümern der NFL Seattle Seahawks) und dem Comedian Drew Carey zusammensetzte.

Die Seahawks brachten ein Fülle von Marketingerfahrung und das Stadium QWest Field mit, Carey steuerte den originellen Denkansatz bei, den Seattle Sounders FC zu dem zu machen, was er sein wird, ein auf den Vereinsmitgliedern beruhender Verband, in dem der Manager von den Vereinsmitgliedern gefeuert werden kann. Mit der Einbeziehung Seattles in das MLS Franchise wurde ein Traum wahr. Jetzt hat die Aufgabe begonnen, eine Mannschaft und eine Anhängerschaft zu bilden sowie ein ökonomisch tragbares Unternehmen aufzubauen. Und Hanauer ist genau dafür zuständig.

Prost Amerika hat mit ihm gesprochen und Einblicke in seine Vorstellung davon bekommen, wie der Verein, den er prägen wird, aussehen soll. Prost Amerika waren auch die ersten, die sich gemeinsam mit Hanauer an das Ende der USL-Ära in Seattle erinnerten in seinem ersten Interview in voller Länge seit die Seattle Sounders das USL-Kapitel ihres Lebens umgeblättert haben.

 

PROST AMERIKA: Beim Start dieses Franchises hast du das Wort „Philosophie“ benutzt und dann nocheinmal als Kasey Keller unterschrieben hat. Also was genau kennzeichnet Adrian Hanauers Fußballphilosophie?

ADRIAN HANAUER: Adrian Hanauers Fußballphilosophie... Ich war 35 bis 40 Jahre nicht im Spiel, also wenn ich über Philosophie spreche, dann hat es gewiss etwas mit Fußball zu tun, aber es hat vielleicht mehr mit dem Geschäft insgesamt und mit Managementphilosophie zu tun, im Gegensatz zu Fußballphilosophie an sich. Eines der Dinge, die für mich funktionierten – und das gilt nur für mich – ist, dass, als ich vor sieben oder acht Jahren mit dem Business in Berührung kam, ich alle Aspekte als ein Geschäft betrachtete. Unternehmen sind erfolgreich, wenn sie klare Ziele haben, eine klare Strategie verfolgen, um diese Ziele zu erreichen, eine feste Einstellung zur Aufgabe und Leute haben, die auf der selben Wellenlänge liegen. Ich sage gerne, im selben Boot sitzen und in die gleiche Richtung rudern. Du kannst als Team einfach viel mehr erreichen, gleich ob in einer Firma, gemeinnützigen Einrichtung oder Sportmannschaft. Wenn ich also von Philosophie spreche, dann hat es mehr mit den Stützpfeilern, dem Fundament zu tun, als zwangsläufig (mit dem Sport)... Ich habe eine Meinung über die Taktiken beim Fußball, aber die Philosophie hätte mehr damit zu tun einen Trainer einzustellen, der auf gleicher Linie liegt mit dem umfassenden Gesamtbild einen wichtigen Fußballverein aufzubauen. Wenn es dein Ziel ist einen großen Fußballverein zu erschaffen, der sich in den nächsten fünf bis zehn Jahren auf dem Spielfeld mit jeder Mannschaft auf der ganzen Welt messen kann – wenn du das zu deinem Ausgangspunkt nimmst, welche Philosophien musst du dann einsetzen, um das zu erreichen? Es ist nichts besonders kompliziertes oder einzigartiges. Es müssen Leute mit bestem Charakter, Sieger, schlaue tüchtige Arbeiter zusammengebracht werden, Leute die sich dem hingeben, von den Details besessen sind, Leute, die das Team über sich selbst stellen.

Eine Gruppe von Leuten auf diese Weise zusammenzusetzen mit Erfahrung und Fußballfachwissen, die wissen, wie man das Ziel erreicht, darum geht es. Und dann sehe ich meine Rolle auf der Fußballseite und Gary Wrights Rolle auf der Geschäftsseite – Gary Wright, Tod Leiweke und John Rizzardini, die Gruppe dort drüben. Werkzeuge und Mittel für diese gescheiten, engagierten Personen müssen bereitgestellt werden, damit sie ihre Vorgaben erreichen und uns zum Ziel führen. Ich blicke immer zuerst auf mich selbst in den verschiedenen Rollen in einem Unternehmen oder in diesem Fall einem Fußballverein, um erstens ein Spitzenreiter und Anführer sein zu können und eine gute Richtung vorzugeben, da zu sein und sich zu erheben, um sich der Öffentlichkeit zu stellen, wenn die Dinge nicht gut laufen und die für die Erfolge Verantwortlichen angemessen zu belohnen und zu unterstützen. Als Führungskraft ist es eine wichtige Sache Verantwortung zu übernehmen für das, was schief geht und die Belohnung für Erfolge an die Leute weiterzugeben, die all die harte Arbeit übernommen haben und dich dahin gebracht haben, wo du stehst. Das ist das Kernstück der Führungsarbeit. Und dann der Mittelsmann zu sein, um dafür zu sorgen, dass sie die Mittel und Ressourcen haben, um ihre Jobs gut zu erledigen. Klare Ziele, gute Leute und die Quellen, um bestmögliche Arbeit zu leisten.

PROST AMERIKA: Was mich gefesselt hat, ist, dass du das Wort Führer eben verwendet hast. Wenn wir einen Trainer haben und ein Spiel 5-0 oder 6-0 verlieren, wirst du dann draußen stehen und vor die Mikrofone treten? Wird das Gezeter nachlassen, wenn du das Gefühl hast, der Manager muss nicht da sein? Meinst du das mit ‚die Kugel für das Team abfangen’?

ADRIAN HANAUER: Ganz genau, das ist erforderlich. Ich garantiere dir, wenn wir 5-0 oder 6-0 verlieren, werde ich mehr aus der Fassung sein als jeder andere da draußen. Ich werde bestimmt nicht sagen, ‚wenn das Coaching aber ein bisschen besser gewesen wäre’. Wenn es angemessen ist die Kugel für das Team abzufangen, wie du sagst, dann werde ich das tun. Ich werde was immer nötig ist unternehmen, um das Team zum Sieg zu führen. Und dies habe ich immer gesagt, gleich welche Position ich innehatte. Wenn ich der Falsche bin und jemand anderes es besser machen kann, dann möge er sich bitte erheben und wir holen jemand neues ins Team. Ich mache diesen Job, weil ich trotz aller Bescheidenheit denke, dass ich eine annehmbare Wahl bin, um den Auftrag – die Erschaffung eines großen Fußballvereins – zu erledigen. Ich habe kein so großes Ego. Wenn die Zeit kommt, da jemand geeigneter ist, und die Zeit wird gewiss für jemanden kommen, der besser, größer und schneller ist, dann bin ich froh beiseite zu treten und jemand anderen den Job erledigen zu lassen. Deshalb ist auch der Zyklus einer vierjährigen Amtszeit sinnvoll. Es ist ein guter Weg um alles zu geben, den Fußballverein besser werden zu lassen.

PROST AMERIKA: Das führt mich zu einem anderen Wort, dass du oft benutzt – Charakter. Beim Start des Vereins und auf Kasey (Keller)’s Vorstellung hast du von „Spielern, die gute Entscheidungen sowohl auf als auch hinter dem Platz treffen“ gesprochen. Kannst du dir eine Situation vorstellen, in der du einen Spieler anschaust, der alles hat, nur der Charakter ist nicht zu erkennen – und würdest ihn nicht unter Vertrag nehmen auf Grund anderer Dinge als seinen spielerischen Fähigkeiten?

ADRIAN HANAUER: Ja, durchaus. Offensichtlich ist es grau und kompliziert. Brian Schmetzer und ich saßen viele Male mit der USL Mannschaft zusammen; ein Spieler kommt herein mit beträchtlichen Fähigkeiten auf dem Feld, ohne Frage ein guter Fußballspieler, aber betrachtet man seinen Charakter, fühlt es sich irgendwie nicht richtig an. (Ihn zu engagieren) würde einen Klub kaputt machen. Wir haben es früher ganz falsch gemacht und werden es wieder tun. Aber wenn wir früh genug dahinterkommen, wird es Auswirkungen auf unsere Entscheidungsfindung haben.

PROST AMERIKA: Gehen wir zur USL (United Soccer League/ Vereinte Fußballliga) weiter. Wir stehen an einem wirklich besonderen Moment in der Geschichte des Fußballs dieser Stadt und die Emotionen und Erinnerungen an die USL sind bei dir nach Montreal noch immer frisch vorhanden. Obwohl ein aufregendes Kapitel vor uns liegt, gibt es einen Teil von dir, der zurückschaut und denkt, „Es tut mir Leid einiges davon zu verlieren“?

Adrian Hanauer
"Jetzt entfaltet sich eine stadtweite Liebesaffäre"
Foto: Joe Armand

ADRIAN HANAUER: Ein sehr kleiner Teil von mir fühlt auf die Art. Aber, um auf deinen Gesichtspunkt zu kommen, dies ist ein sehr spannendes neues Kapitel. Wenn ich daran zurückdenke, was für mich ein ganz bedeutender Teil meiner Kindheit war, dann war das eine Stadt, die von dem nordamerikanischen Fußballverein Sounders fasziniert war. Die Stadt war von der USL Sounders nicht fasziniert. Es gab eine kleine, hingebungsvolle und engagierte Anhängerschaft und ich empfinde vollkommene Dankbarkeit für diese Gruppe. Aber die hatten ihre eigenen Herausforderungen und Frustrationen. Die haben meinen Arsch und den von uns allen über die Jahre drangekriegt beim Versuch den Kompass so zu bewegen, dass die Begeisterung nach draußen in die Gemeinschaft getragen wird. Und jetzt haben wir sie, indem wir auf MLS setzen, jetzt entfaltet sich eine stadtweite Liebesaffäre und das lindert jeglichen Schmerz, alles Durcheinander und alle Sentimentalitäten beim Zurücklassen der Vergangenheit.

Wenn wir uns nicht zur MLS fortbewegt hätten und es einfach das Ende des Fußballs gewesen wäre, würde ich mich gänzlich anders fühlen, als ich heute empfinde. Und ich weiß, dass dies jetzt nicht sehr nachdenklich klingt, aber ich war hier so ausgelastet, dass ich noch nicht so viel Zeit hatte, das alles zu verarbeiten, wie ich vielleicht eines Tages haben werde.

PROST AMERIKA: Wie froh bist du darüber, dass der Name ‘Sounders’ überlebt hat?

ADRIAN HANAUER: Ich bin sehr glücklich. Das steht für Fußball in Seattle. Als ich dazukam, als wir mit dem Wandlungsprozess anfingen, versuchte ich so objektiv wie möglich zu sein. Diese Investition ist groß genug und langfristig angelegt, so dass ich es richtig machen wollte. Egal, ob es Sounders oder nicht Sounders geworden wäre, ich wollte es richtig machen. Und wir haben es richtig gemacht. Das ist der springende Punkt dabei. Wenn Sounders falsch gewesen wäre, wir aber Sounders behalten hätten, wäre ich nicht froh darüber gewesen. Ich wollte den Namen Sounders nicht nur wegen seiner Sentimentalität behalten. Ich wollte Sounders nur behalten, wenn es auf lange Sicht gesehen das richtige für den Fußballverein sei.

PROST AMERIKA: Ab welchem Moment warst du überzeugt, dass es das richtige war?

ADRIAN HANAUER: Ganz ehrlich, nicht bis nach der Wahl. Es war dann offensichtlich, dass die Gemeinschaft da draußen dies leidenschaftlich unterstützte.

PROST AMERIKA: Hat es dich ein wenig überrascht?

ADRIAN HANAUER: Das hat es. Ja, hat es.

PROST AMERIKA: Wirst du die USL vermissen?

ADRIAN HANAUER: Ich werde manche meiner Freunde aus der USL vermissen. Ich bleibe aber mit einigen von ihnen in Kontakt, wie mit Bob Lenarduzzi in Vancouver, Gavin (Wilkinson) in Portland, Boris (Jerkunica) in Atlanta, Nigel Cooper und einige andere Jungs in Charleston. Ich vermisse es mich öfter mit diesen Jungs auszutauschen, aber ich sehe sie dennoch ab und an.

PROST AMERIKA: Wir werden sehen, ob es das Wort “Sportokratie” in den nächsten vier Jahren ins Oxford Englischwörterbuch schafft.

ADRIAN HANAUER: Yup.

PROST AMERIKA: Ich möchte gerne etwas anderes aufgreifen, was du über die Begegnung mit den Medien gesagt hast. Im Moment gibt es in den Medien nur kleinere Berichterstattungen, die sich auf die USL-Seite beziehen, zumeist lokal und wohlgesonnen. Das wird sich möglicherweise ändern.

ADRIAN HANAUER: So ist es.

PROST AMERIKA: Wir werden eine eher nationale Berichterstattung haben und sie mag nicht unbedingt Fußball freundlich oder Seattle freundlich sein. Wie wirst du persönlich mit Interviews klarkommen, die schwieriger sind und mit Leuten, die dich reinlegen wollen? Wird MLS die Art und Weise ändern, in der du den Medien entgegentrittst?

ADRIAN HANAUER: Möglicherweise – ich denke, das hat es schon. Schon bei der blanken Menge (an Interviews), die Teil davon sind. Ich möchte gerne für jeden erreichbar sein, kann es aber nicht. Ich habe am Tag einfach nicht genug Stunden Zeit und wenn ich sie hätte, würde ich sie nicht in die Arbeit investieren, also zu versuchen einen großen Fußballverein aufzubauen. Ich glaube, dass die bloße Menge der Berichterstattung mich beeinflussen wird. Ich werde womöglich bei meinen Nachrichten stärker beschützt werden, einfach weil, wie du sagtest, die Medien extrem freundlich waren und wenn mir das F-Wort rausrutschte, wurde es nie auf der Titelseite erwähnt und niemand machte eine Angelegenheit daraus. Ich hatte genügend Freunde in den Medien, um sagen zu können, „Ich weiß, dass ich das gesagt habe, aber dies habe ich eigentlich gemeint.“ Von Natur aus bin ich ein sehr offener und ehrlicher Mensch und habe erst kürzlich bemerkt, dass ich mich wohl ein wenig zügeln muss. Ich denke, auf der anderen Seite bin ich nicht sicher, dass du diese Frage wirklich gestellt hast, aber ich sehe eine Reihe von Artikeln, in denen MLS Leute zerrissen werden, seien es nun Trainer oder Manager und ich weiß auch, dass meine Zeit kommen wird. Das wird vielleicht früher der Fall sein als später und führt vermutlich dazu, dass sich Leute, vielleicht nicht bewusst, sondern unterbewusst ändern. Du denkst dir, „Wozu soll ich all diese guten Sachen machen, wenn ich dafür doch nur attackiert werde?“ Ich werde versuchen dem gegenüber so rational und objektiv wie möglich zu bleiben. Aber ich bin mir sicher, diese Dinge veranlassen Menschen dazu sich in ihrem Nest ein wenig tiefer zu vergraben.

PROST AMERIKA: Erhalten die Spieler, die dieses Jahr hier sind irgendein spezielles Training, wenn sie auch im kommenden Jahr hier sind?

ADRIAN HANAUER: Natürlich wird jeder, der beim Verein unter Vertrag steht, gezielte Übungen zum Umgang mit den Medien erhalten. Nichts dramatisches. Es gibt einen einfacheren Weg Fragen zu beantworten. Es ist klar, dass Spieler rund um die Welt die immergleiche Antwort geben können: „Ohne meine Teamkollegen wäre das alles nicht möglich geworden.“ Wir werden ein paar kleine Dinge unternehmen, in der Hoffnung, dass sie sich wohler fühlen, aber es ist nicht so, dass sie es nötig hätten. Das führt zur Idee der Serviceangebots im Allgemeinen zurück. Wir haben die Mittel, um dafür zu sorgen, dass sich jemand wohler und erfolgreicher fühlt. Hier bei uns lernt man, wie man mit den Medien umgeht. Hier sind die besten Schulen in der Nachbarschaft für dein Kind, hier ist ein toller Zahnarzt oder Augenarzt, hier ist eine Schulungsstätte.

PROST AMERIKA: Du erschaffst also gewissermaßen eine Familie, zu der die Spieler gehören können?

ADRIAN HANAUER: Ja.

PROST AMERIKA: Von einem historischen Standpunkt aus gesehen, schaue ich oft zurück und frage mich, wie es gewesen sein muss einen Fußballverein zu gründen und wie es gewesen sein muss sich dafür zu entscheiden, den Verein an einem oder am nächsten Tag, am Mittwoch oder Donnerstag, Sheffield zu nennen. Nimmst du überhaupt mal Abstand und denkst, ich erneuere den Pfad von grundauf und zwar nicht nur den jener, die moderne Fußballfranchises hier in den Staaten aufgebaut haben, sondern auch den der europäischen und südamerikanischen Fußballpioniere von vor einhundert Jahren? Siehst du dich als Teil eines historischen Prozesses in dieser Stadt?

ADRIAN HANAUER: Ich versuche darüber so wenig wie möglich nachzudenken, denn ich fürchte, ich würde von der enormen Tragweite dessen, was wir hier machen, wie gelähmt sein. Allerdings, ab und an (denke ich darüber nach). Es trifft mich wirklich dann, wenn ich Leute auf der Straße treffe, die ich entweder nicht kenne oder lose Bekannte, die davon sprechen, wie wichtig das alles ist und wie erstaunlich – und die mir danken. Mir macht das viel Spaß und es ist etwas, das ich nun schon seit einer Weile mache. Es fällt mir leicht. Ich nehme eingentlich keinen Abstand und schau mir die Dinge nicht so oft auf diese Weise an, wie ich es vielleicht sollte. Wenn die Leute erwähnen, was für eine große Angelegenheit das ist, fühlt es sich an wie „das ist tatsächlich eine ziemlich große Sache, die wie hier machen. Es ist ein bedeutendes Sportfranchise in Nordamerika.“

PROST AMERIKA: Ein anderes Wort, das aufgetaucht ist und das ihr, du und Joe Roth, benutzt habt, ist „international“, in der Art von, „die Vision besteht darin, aus diesem Team eine wirklich internationale Marke zu machen“. Es ist offensichlich, dass jeder Verein in den USA kraft der Bevölkerungsstatistik dieses Landes international sein muss. Gibt es darüber hinaus etwas, dass die Seattle Sounders als internationale Marke kennzeichnet?

ADRIAN HANAUER: Wir sind aktiv auf der Suche nach Beziehungen zu internationalen Vereinen überall auf der Welt, auf jedem Kontinent. Wir wollen eine breite Mischung internationaler Talente auf dem Spielfeld. Wir haben nicht vor sechs Spieler aus einem Land aufzustellen und uns auf einen Bevölkerungsstil oder -typ festzulegen. Wir beabsichtigen das Stadium und die Atmosphäre auf Events zu international ansprechenden Ereignissen zu machen. Wir denken über den Spieltag nach, ganz gleich ob dies bedeutet, ein Essenangebot aufzufahren oder Flaggen steigen zu lassen oder Fremdsprachen zu sprechen. Obwohl wir sie zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht perfekt eingestellt haben, so hoffen wir doch, dass die Webseite mit der Zeit in mehreren Sprachen zugänglich ist und wir in der Lage sind Fans draußen in der Welt zu fördern; vielleicht Fans aus Russland, sollten wir einen russischen Spieler unter Vertrag nehmen. Natürlich versuchen wir französische Fans wegen Sébastien le Toux und Anhänger aus Gambia (wegen Sanna Nyassi) zu gewinnen. Und wir wollen nach und nach eine Mannschaft zusammenstellen, die reisen kann und deren Markenname bekannt genug ist, dass sie international auftreten kann und damit fortfährt, den Markennamen auf der ganzen Welt weiterzuentwickeln. Ich weiß aber nichts von anderen Mannschaften und wie sie darüber denken. Wir denken darüber allerdings nach und sprechen oft davon. Ob die Marke tatsächlich internationaler wird oder nicht wird die Zeit zeigen, aber wir haben das Gefühl in einer einzigartigen Position in den Vereinigten Staaten zu sein. Wir haben die Chance diese Weltmarke zu erschaffen und unsere nicht zufällige Beziehung zur Softwarefirma Microsoft, die in dieser großen Technologieregion angesiedelt ist, lässt uns glauben, dass wir einige Mittel zur Verfügung haben, die anderen womöglich fehlen.

PROST AMERIKA: Bist du, nach allem, was du in diesem Jahr gesehen hast, davon überzeugt, dass wir eine bessere Liga sein werden?

ADRIAN HANAUER: (lacht) Ah – ja, bin ich.

PROST AMERIKA: Nur weil wir uns da (zur MLS) hinbewegen?

ADRIAN HANAUER: Natürlich gibt es ein paar Vereine in der USL, die an der MLS teilnehmen könnten, aber ich glaube, dass über eine Reihe von 35 oder 40 Spielen – 30 in einer regulären Spielzeit – die MLS im Durchschnitt die überlegenere Liga ist. Die MLS kann diverse Dinge unternehmen, um eine noch bessere Liga zu werden und eine größere Lücke zwischen sich und der USL herzustellen. Deshalb glaube ich, dass sie die bessere Liga ist, aber es gibt alles Mögliche, das die Liga unternehmen kann, um noch besser zu werden und ich gehe davon aus, dass sie dies auch mit der Zeit machen wird.

PROST AMERIKA: Kann ich dich darum bitten, deinen Glücksspielhut aufzusetzen und für diese Frage kurz mal nicht Adrian Hanauer zu sein? Angenommen du wärst ein Spieler und ich würde dich bitten, diese Frage mit nur einer Nummer zu beantworten. Wie viele der gegenwärtigen Soundersspieler werden nächstes Jahr in der Mannschaft sein?

ADRIAN HANAUER: Ich glaube nicht, dass ich diese Frage beantworten kann ohne Adrian Hanauer zu bleiben und deshalb sollte ich sie besser nicht beantworten. Aber wir haben allen Spielern gesagt, dass sie eine Chance haben. Wir kennen sie, wir mögen sie und sie haben einen guten Ruf. Sie haben einen leichten Vorteil gegenüber anderen Personen, die wir neu dazuholen, weil wir ihre Charaktere kennen. Gesetzt den Fall es gäbe zwei Spieler, die auf dem Feld gleichsam überzeugen würden, ist es höchst wahrscheinlich, dass wir denjenigen nehmen, der seit drei, vier oder fünf Jahren bei uns ist.

PROST AMERIKA: Wirkt sich das auch auf die Position des Trainers aus?

Adrian Hanauer
Brüder des „Footballs“ -
Eine Partnergeschaft, wie für den Himmel geschaffen

ADRIAN HANAUER: Die Position des Trainers ist eine andere Diskussion. Wenn alle Dinge gleichmäßig wären, würde ich sofort Brian Schmetzer nehmen. Brian und ich sprechen jeden Tag miteinander. Er versteht den Prozess, in dem wir uns gerade befinden. Ich weiß, dass er gerne der Haupttrainer wäre. Er wird ein spektakulärer Trainer sein, ob heute oder eines Tages in der Zukunft. Der Vorgang entscheidet sich im kommenden Monat bis in sechs Wochen. Und dann werden wir eine Antwort haben.

PROST AMERIKA: Ist die Wahl des Namens Seattle Sounders FC nicht etwa ein schlüssiger Beweis dafür, dass der Name des Sports ‚Football’ und nicht ‚Soccer’ ist?

ADRIAN HANAUER: (lacht) Ich glaube, dass es ‚Football’ heißt. Und es ist interessant – und ich weiß, dass du mir diese Frage nicht gestellt hast, aber einer der Dinge, die dieses Franchise erfolgreich werden lassen, ist die Partnerschaft zwischen den Seahawks oder Vulcan Sports and Entertainment und uns auf der Fußballseite – wieder sind es Joe Roth, ich selbst, Paul Allen und Drew Carey, aber die Seahawks sind in der Tat diejenigen, die den Geschäftsverkehr erledigen und ich kann nicht oft genug betonen, wie offen sie uns empfangen haben. Als wir noch die USL Sounders waren, waren sie hilfreich, aber sie hatten kein besonderes Interesse. Sie haben sich nicht 100% da reingekniet. Fakt ist, dass die Mehrheit der Leute dort sowohl für die Seahawks als auch für den Sounders FC arbeiten. Ich bin von ihrer Unterstützung und der Art, wie sie diese Aufgabe aufgenommen haben, völlig überrascht. Wenn man die Seahawks anruft, antworten sie am Telefon, „Seahawks und Sounders FC“. Auf jedem Anrufbeantworter wird gesagt, „Hey, ich bin Chuck Arnold, Direktor für den Kartenverkauf für die Seahawks und den Sounders FC“. Ich war vollkommen perplex. Es fängt wirklich ganz oben an und Tod Leiweke ist meiner Meinung nach die beste Führungskraft auf dem nordamerikanischen Sportmarkt. Es ist ein langer Weg, um auf die Tatsache zu stoßen, dass die Seahawks American Football betreiben und wir Fußball spielen, aber ich habe mir vorgestellt hier zu sein und ‘Football’ für ‘Soccer’ zu verwenden. Ich dachte, sie würden mich deswegen ein wenig finster anschauen, aber sie sind absolut begeistert und benutzen ebenfalls Football für Soccer synonym. So gesehen ist es ein amüsanter Prozess diese Beziehung aufzubauen.

PROST AMERIKA: Es zeigt doch deutlich, dass diese Sportart hier tatsächlich angekommen ist, wenn du sie dazu anhältst den Sport ‚Football’ zu nennen, oder?

ADRIAN HANAUER: Ganz genau!

10. Oktober 2008